Der CRM-Markt befindet sich im Mai und Juni 2026 an einem entscheidenden Wendepunkt: Künstliche Intelligenz verändert Vertriebsprozesse grundlegend, Großunternehmen wie Bayer Vital vollziehen öffentlich sichtbare Systemwechsel, und gleichzeitig drängen kostenlose Lösungen in den deutschen KMU-Markt. Stand: Juni 2026 zeichnet sich ein Markt ab, der von drei gleichzeitigen Kräften geformt wird: Automatisierungsdruck von oben, Demokratisierung von unten und wachsender Investorenskepsis gegenüber etablierten Playern wie Salesforce.

Das Wichtigste in Kürze
- ✓Die Salesforce-Aktie verlor am 13. Mai 2026 innerhalb eines Handelstages 1,5 Prozent an Wert.
- ✓Bayer Vital vollzieht 2026 einen vollständigen CRM-Systemwechsel, symptomatisch für eine breite Migrationswelle im Enterprise-Segment.
- ✓Bitrix24 positioniert sich als kostenloses CRM für deutsche KMU und verschärft damit den Preiskampf im Einstiegssegment.
- ✓KI-gestützte Vertriebsautomatisierung gilt laut t3n im Juni 2026 als neuer Standard, nicht mehr als Differenzierungsmerkmal.
- ✓CRM-Systeme ohne automatisierte Lead-Priorisierung verlieren gegenüber KI-fähigen Wettbewerbern strukturell an Boden.
| 1,5 % | Kursverlust der Salesforce-Aktie am 13. Mai 2026 (AD HOC NEWS, 14.5.2026) |
| 0 € | Einstiegskosten für Bitrix24 CRM für deutsche KMU (BASIC thinking, 26.5.2026) |
| 2 | Große Unternehmens-CRM-Wechsel öffentlich dokumentiert im Mai/Juni 2026 (CIO DE, stadt+werk) |
| Top-Trend | KI-gestützte Vertriebsautomatisierung als meistdiskutiertes CRM-Thema, Juni 2026 (t3n) |
KI im CRM: Vom Hype zur operativen Realität
Automatisierte Vertriebssysteme sind kein Zukunftsthema mehr. Laut einer aktuellen Analyse von t3n (3.6.2026) werden KI-gestützte CRM-Funktionen zunehmend zur Grundvoraussetzung für wettbewerbsfähige Vertriebsorganisationen, nicht zum Differenzierungsmerkmal. Der entscheidende Wandel: CRM-Systeme analysieren nicht mehr nur vergangene Interaktionen, sondern prognostizieren künftiges Kundenverhalten, priorisieren Leads automatisch und schlagen konkrete nächste Handlungsschritte vor. Dieser Wandel vollzieht sich dabei nicht nur in Konzernen mit dedizierten Data-Science-Teams, sondern zunehmend auch in mittelständischen Vertriebsorganisationen mit zehn bis fünfzig Mitarbeitern.
Für Sales-Teams bedeutet das eine fundamentale Verschiebung der Arbeitsrealität. Vertriebsmitarbeiter, die früher Stunden mit manueller Datenpflege verbrachten, können sich heute auf die eigentliche Kundenbeziehung konzentrieren, weil KI-Algorithmen Kontakthistorien zusammenfassen, Follow-up-Zeitpunkte berechnen und Abwanderungsrisiken flaggen. Diese Effizienzgewinne sind messbar: In früh adoptierten Vertriebsorganisationen berichten Anbieter von einer Reduktion administrativer CRM-Aufgaben um bis zu 40 Prozent. Konkret bedeutet das: Ein Vertriebsmitarbeiter, der bisher täglich 90 Minuten mit CRM-Datenpflege verbrachte, gewinnt rund 30 bis 35 Minuten zurück, die direkt in Kundengespräche oder Angebotsvorbereitung fließen können.
Was KI konkret im CRM leistet
Die relevantesten KI-Funktionen im aktuellen CRM-Markt umfassen drei Kernbereiche. Erstens: Predictive Lead Scoring, bei dem Algorithmen historische Abschlusswahrscheinlichkeiten auf neue Kontakte anwenden. Ein konkretes Beispiel: Ein System, das aus 5.000 abgeschlossenen Deals gelernt hat, erkennt, dass Kontakte aus der Fertigungsbranche mit mehr als 200 Mitarbeitern, die innerhalb von 48 Stunden auf eine erste E-Mail reagieren, eine Abschlussquote von 34 Prozent aufweisen, und priorisiert ähnliche Neukontakte automatisch. Zweitens: Natural Language Processing für automatische E-Mail-Klassifizierung und Antwortvorschläge, das heißt, eingehende Anfragen werden nach Dringlichkeit, Thema und Sentiment kategorisiert, bevor ein Mensch sie liest. Drittens: Anomalieerkennung in Kundendaten, die frühzeitig auf Kündigungsabsichten hinweist, etwa wenn ein Bestandskunde, der bisher wöchentlich im System aktiv war, plötzlich drei Wochen inaktiv bleibt und gleichzeitig das Supportvolumen steigt. Tools wie Freshsales und ActiveCampaign haben diese Funktionen in ihre Kernprodukte integriert und richten sich damit gezielt an mittelständische Teams, die keine dedizierte Data-Science-Kapazität vorhalten.
Wichtig zu verstehen ist dabei, dass der Nutzen von KI-CRM-Funktionen direkt mit der Datenqualität korreliert. Ein System, das mit lückenhaften oder inkonsistenten Kontaktdaten trainiert wird, liefert ungenaue Prognosen. Die Einführung von KI-CRM-Funktionen sollte deshalb immer von einer Datenhygiene-Initiative begleitet werden, in der doppelte Datensätze bereinigt, Pflichtfelder standardisiert und historische Interaktionsdaten systematisch erfasst werden. Ohne diese Grundlagenarbeit verpufft ein erheblicher Teil des KI-Potenzials.
Key Insight: KI-CRM ist 2026 kein Add-on mehr, sondern die neue Baseline: Systeme ohne automatisierte Lead-Priorisierung und Verhaltensanalyse verlieren gegenüber der Konkurrenz strukturell an Boden.
Entscheider, die KI-CRM-Funktionen heute nicht evaluieren, riskieren morgen einen teuren Nachholbedarf.
Bayer Vital und die Signalwirkung großer CRM-Wechsel
Dass Bayer Vital, die Selbstmedikationssparte des Bayer-Konzerns, im Juni 2026 öffentlich einen CRM-Systemwechsel kommuniziert (CIO DE, 1.6.2026), ist kein isoliertes Ereignis. Es ist symptomatisch für eine Marktdynamik, in der selbst gewachsene Enterprise-Installationen unter Druck geraten. Großunternehmen tauschen CRM-Systeme aus einem klaren Grund: Die Anforderungen an Datenintegration, regulatorische Compliance und KI-Fähigkeit überfordern ältere Architekturen. Im Fall der Pharmaindustrie kommen zusätzlich strikte Anforderungen an Audit-Trails, Interaktionsdokumentation mit Fachkreisen und länderspezifische Compliance-Vorgaben hinzu, die viele CRM-Systeme der ersten Generation schlicht nicht abbilden können.
Ein CRM-Wechsel auf Enterprise-Niveau ist ein Projekt, das in der Regel 12 bis 24 Monate dauert, erhebliche Migrationskosten erzeugt und Change-Management-Kapazitäten bindet. Die Tatsache, dass Bayer Vital diesen Aufwand in Kauf nimmt, unterstreicht, wie dringend der Modernisierungsbedarf geworden ist. Parallel dazu meldet das Fachmedium stadt+werk (21.5.2026) ebenfalls die Einführung eines neuen CRM-Systems in einem weiteren Unternehmenskontext, was die Breite der laufenden Migrationswelle verdeutlicht. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Zufall: Viele Unternehmen haben CRM-Systeme, die vor 2015 eingeführt wurden, über Jahre mit Customizing und Workarounds am Leben erhalten, erreichen nun aber eine technische Schuldengrenze, ab der Weiterbetrieb teurer wird als Neubeschaffung.
Was bei einem CRM-Wechsel wirklich zählt
Eine durchdachte CRM-Strategie entscheidet darüber, ob ein Systemwechsel Mehrwert schafft oder nur Komplexität verlagert. Erfahrungsgemäß scheitern CRM-Migrationsprojekte seltener an der Technologie als an drei Faktoren: unklaren Datenanforderungen im Vorfeld, fehlender Nutzerakzeptanz nach der Einführung und unterschätzten Schnittstellen zu angrenzenden Systemen wie ERP oder Marketing-Automation. Wer diese Punkte vor der Vendor-Auswahl klärt, vermeidet die teuersten Fehler. Eine bewährte Vorgehensweise ist dabei das sogenannte Datenaudit vor der Ausschreibung: Alle im alten System gespeicherten Objekte, also Kontakte, Unternehmen, Opportunities und Aktivitäten, werden auf Vollständigkeit, Konsistenz und tatsächliche Nutzungsfrequenz geprüft. Das Ergebnis dieses Audits definiert dann die Mindestanforderungen an das neue System und vermeidet, dass teuer bezahlte Altsystemfehler in die neue Umgebung migriert werden.
Ein weiterer kritischer Erfolgsfaktor ist die frühzeitige Einbindung der tatsächlichen Systemnutzer in den Auswahlprozess. Projekte, in denen die Vendor-Auswahl ausschließlich auf IT- und Managementebene stattfindet, ohne die Perspektive der Vertriebsmitarbeiter, die täglich im System arbeiten, scheitern überproportional häufig an Akzeptanzproblemen nach dem Go-live. Pilot-Tests mit kleinen Nutzergruppen in der Evaluationsphase reduzieren dieses Risiko erheblich.
Key Insight: Der CRM-Wechsel bei Bayer Vital zeigt: Selbst ressourcenstarke Konzerne ersetzen gewachsene Systeme, wenn KI-Fähigkeit und Compliance-Anforderungen nicht mehr zusammenpassen.
CRM-Migrationsprojekte 2026 sind weniger eine Frage der Software-Auswahl als eine strategische Entscheidung über Datenarchitektur und Prozessreife.
Bitrix24 und der Wettbewerb um den KMU-Markt
Während Enterprise-Kunden komplexe Migrationsprojekte stemmen, spielt sich an der anderen Seite des Marktes ein Preiskampf ab, der zunehmend auf null Euro zielt. BASIC thinking berichtete am 26. Mai 2026 ausführlich über Bitrix24 als kostenloses CRM-System speziell für deutsche KMU, was die Frage aufwirft: Wie viel CRM braucht ein Mittelständler wirklich, und muss er dafür bezahlen?
Die Antwort ist differenzierter, als der Null-Euro-Preis suggeriert. Kostenlose CRM-Tiers sind in der Regel auf Nutzerzahl, Datenmenge oder Funktionsumfang beschränkt. Bitrix24 bietet in der Freemium-Version unbegrenzte Nutzer, begrenzt aber Speicher und schränkt Automatisierungsfunktionen ein. Für Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern und überschaubarem Kontaktvolumen kann das vollständig ausreichend sein. Sobald Vertriebsautomatisierung, KI-Scoring oder tiefe API-Integrationen benötigt werden, stoßen kostenlose Pläne an strukturelle Grenzen. Ein typisches Wachstumsszenario sieht so aus: Ein Handwerksbetrieb mit fünf Mitarbeitern startet mit Bitrix24 Free, pflegt Kundendaten, verwaltet Angebote und ist damit zunächst vollständig bedient. Zwei Jahre später, wenn das Unternehmen auf 18 Mitarbeiter gewachsen ist und Außendienstmitarbeiter automatisierte Follow-up-Sequenzen benötigen, ist ein Upgrade unvermeidlich.
Relevante Alternativen für KMU
Im KMU-Segment konkurrieren neben Bitrix24 mehrere Anbieter mit attraktiven Einstiegskonditionen. HubSpot CRM bietet ebenfalls eine dauerhaft kostenlose Basisversion mit starkem Marketing-Ökosystem. Pipedrive positioniert sich mit einem klaren Fokus auf Pipeline-Management zu einem vergleichsweise moderaten Einstiegspreis. Less Annoying CRM richtet sich explizit an Kleinstunternehmen, die keine steile Lernkurve akzeptieren wollen. Capsule CRM punktet mit schlanker Oberfläche und DSGVO-konformer Datenhaltung, was für den deutschen Markt ein relevantes Kriterium bleibt.
| Tool | Zielgruppe | Freemium | KI-Funktionen |
|---|---|---|---|
| HubSpot CRM | KMU, Wachstumsteams | Ja, dauerhaft | Ab Professional-Plan |
| Pipedrive | Vertriebsteams, KMU | 14-Tage-Testversion | Ab Advanced-Plan |
| Capsule CRM | Kleinstunternehmen | Ja, 2 Nutzer | Begrenzt |
| Less Annoying CRM | Solo, Kleinstteams | 30-Tage-Test | Nein |
Die Tabelle zeigt ein klares Muster: Je kleiner die Zielgruppe, desto einfacher die KI-Ausstattung. Das ist kein Qualitätsmangel, sondern eine bewusste Produktentscheidung der Anbieter. Kleinstunternehmen benötigen primär Zuverlässigkeit und Einfachheit, keine komplexen Scoring-Algorithmen. Entscheidend bei der Auswahl im KMU-Segment bleibt deshalb die ehrliche Einschätzung der eigenen Wachstumskurve für die nächsten 24 bis 36 Monate.
Key Insight: Kostenlose CRM-Einstiege sind 2026 ein Marktgewöhnungsinstrument der Anbieter, nicht die finale Lösung: Wachsende Teams zahlen früher als erwartet für Automatisierung und Integrationen.
Wer heute ein kostenloses CRM wählt, sollte den Upgrade-Pfad und die Migrationsfähigkeit der Daten von Beginn an mitdenken.
Salesforce unter Druck: Was der Kursverlust signalisiert
Die Salesforce-Aktie verlor am 13. Mai 2026 1,5 Prozent an einem einzigen Handelstag (AD HOC NEWS, 14.5.2026). Für sich genommen ist das eine normale Marktbewegung. Im Kontext der übrigen Marktentwicklungen ist es jedoch ein Indikator für wachsende Investorenzweifel an der Fähigkeit des CRM-Marktführers, den KI-Transformationsdruck profitabel zu verarbeiten.
Salesforce investiert massiv in seine Einstein-KI-Plattform und hat 2025 und 2026 zahlreiche KI-Funktionen in seine Produktlinie integriert. Die Herausforderung liegt darin, dass KI-Investitionen kurzfristig die Margen belasten, während die Wettbewerber mit schlankeren Kostenstrukturen ähnliche Fähigkeiten zu niedrigeren Preispunkten anbieten. Zoho CRM und Freshsales positionieren sich explizit als günstigere Alternativen mit vergleichbarem KI-Funktionsumfang. Diese Preiskompression trifft Salesforce im mittleren Marktsegment besonders hart, weil genau dort die Wachstumsreserven lagen, auf die Salesforce in den vergangenen Jahren gesetzt hatte.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Salesforces Stärke liegt in der Tiefe seiner Plattform, also in der schieren Anzahl verfügbarer Module, Integrationen und Anpassungsmöglichkeiten. Diese Tiefe ist gleichzeitig seine Schwäche, weil sie Implementierungszeiten verlängert, Beratungskosten erhöht und die Gesamtbetriebskosten in die Höhe treibt. In einem Marktumfeld, in dem KI-Funktionen schnell verfügbar sind und Preistransparenz zunimmt, verliert das Argument der Plattformbreite gegenüber dem Argument der Kosteneffizienz an Gewicht.
Analytische CRM-Kompetenz als Differenzierungsfaktor
Unabhängig vom Anbieter gilt: Analytisches CRM wird zum zentralen Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die CRM-Daten nicht nur speichern, sondern systematisch auswerten, treffen bessere Vertriebsentscheidungen. Die relevanten CRM-Kennzahlen wie Customer Lifetime Value, Churn Rate und Pipeline Velocity sind dabei nicht nur Reporting-Größen, sondern operative Steuerungsinstrumente. Ein Vertriebsleiter, der Pipeline Velocity wöchentlich reviewt, erkennt Engpässe in bestimmten Deal-Phasen deutlich früher als einer, der nur auf Quartalszahlen schaut, und kann Coaching-Maßnahmen gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Hebel haben. Systeme, die diese Metriken in Echtzeit und mit KI-Unterstützung aufbereiten, gewinnen in Ausschreibungen gegenüber rein operativen CRM-Lösungen zunehmend die Oberhand.
Key Insight: Der Kursverlust der Salesforce-Aktie reflektiert eine strukturelle Marktherausforderung: KI-Fähigkeiten allein differenzieren nicht mehr, wenn günstigere Wettbewerber denselben Funktionsumfang anbieten.
Salesforces Reaktion auf den Margendruck durch günstigere KI-CRM-Konkurrenten wird den gesamten Enterprise-CRM-Markt in den nächsten zwölf Monaten neu kalibrieren.
DSGVO-Konformität als unterschätzter Auswahlparameter
Im deutschen und europäischen Markt spielt ein Faktor eine Rolle, der in internationalen CRM-Vergleichen häufig unterrepräsentiert ist: die Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung. Während US-amerikanische Anbieter wie Salesforce und HubSpot ihre europäischen Rechenzentren ausgebaut haben und EU-Standardvertragsklauseln anbieten, bleibt die rechtliche Situation für Unternehmen in regulierten Branchen, etwa Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder öffentliche Verwaltung, komplex. Die Frage, wo Kundendaten tatsächlich gespeichert und verarbeitet werden, ist 2026 keine akademische Compliance-Frage mehr, sondern ein handfestes Ausschreibungskriterium, das Anbieter aus dem Rennen wirft.
Europäische CRM-Anbieter nutzen diese Situation aktiv als Positionierungsmerkmal. Anbieter mit Rechenzentren ausschließlich in Deutschland oder der EU können Anforderungen an Datensouveränität einfacher erfüllen als Hyperscaler-basierte Konkurrenten. Für Unternehmen, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten, empfiehlt sich deshalb eine explizite Prüfung der Datenhaltungsoptionen im Rahmen der Vendor-Evaluation, unabhängig davon, welche KI-Fähigkeiten ein System sonst bietet. Ein CRM-System, das hervorragende Lead-Scoring-Funktionen bietet, aber datenschutzrechtliche Fragezeichen aufwirft, ist für viele deutsche Unternehmen schlicht keine Option.
Praktisch bedeutet das: Im Auswahlprozess sollte neben der technischen Evaluierung eine rechtliche Kurzprüfung der Auftragsverarbeitungsverträge stehen. Die relevanten Fragen sind dabei, ob ein Angebot einer Auftragsverarbeitungsvereinbarung nach Art. 28 DSGVO vorhanden ist, ob Subauftragnehmer des Anbieters transparent ausgewiesen werden und ob eine Datenportabilität bei Vertragsende vertraglich gesichert ist. Anbieter, die diese Fragen nicht klar beantworten können, sollten unabhängig von ihrem Funktionsumfang aus der engeren Auswahl genommen werden.
Fazit und strategische Empfehlungen
- KI-Readiness jetzt prüfen: Unternehmen ab 15 Vertriebsmitarbeitern sollten sofort evaluieren, ob ihr aktuelles CRM Lead Scoring und Verhaltensanalyse nativ unterstützt. Tools wie Freshsales oder ActiveCampaign bieten KI-Funktionen bereits in mittleren Preissegmenten.
- Migrationsprojekte strukturiert angehen: Wer einen CRM-Wechsel plant, wie Bayer Vital ihn vollzogen hat, sollte Datenanforderungen und Schnittstellen zu ERP-Systemen vor der Vendor-Auswahl vollständig dokumentieren, um Projektlaufzeiten unter 18 Monaten zu halten.
- Freemium-Fallen vermeiden: KMU, die mit Bitrix24 oder HubSpot CRM starten, sollten den Upgrade-Trigger (Nutzerzahl, Automatisierungsbedarf, Integrationen) bereits beim Setup definieren, um spätere Datenmigrationen zu vermeiden.
- Salesforce-Alternativen konkret testen: Angesichts des Margendrucks und der Kurskorrektur sollten Enterprise-Kunden Zoho CRM und monday CRM als vollwertige Piloten mit echten Kundendaten testen, bevor Vertragsverlängerungen bei bestehenden Anbietern unterschrieben werden.
- Analytisches Potenzial ausschöpfen: Unternehmen, die CRM-Daten nur zur Kontaktverwaltung nutzen, verschenken bis zu 60 Prozent des Systemwerts. Mindestens vier KPIs (CLV, Churn Rate, Pipeline Velocity, Win Rate) sollten als Dashboard-Standard definiert und wöchentlich reviewt werden.
- DSGVO-Konformität von Beginn an sichern: Vor jeder Kaufentscheidung sollte ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegen und die Datenhaltungsregion vertraglich festgelegt sein, um nachträgliche Compliance-Risiken zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Welche CRM-Systeme eignen sich 2026 kostenlos für deutsche KMU?
Für deutsche KMU stehen 2026 mehrere dauerhaft kostenlose CRM-Optionen zur Verfügung. Bitrix24 bietet eine Freemium-Version ohne Nutzerlimit, begrenzt jedoch Speicher und Automatisierungsfunktionen. HubSpot CRM stellt ebenfalls eine dauerhaft kostenlose Basisversion bereit, die besonders für Teams mit Marketingaffinität geeignet ist. Capsule CRM erlaubt bis zu zwei Nutzer ohne Kosten. Entscheidend für die Auswahl ist nicht nur der Preis, sondern die Upgrade-Fähigkeit: Wachsende Teams benötigen früher als erwartet kostenpflichtige Funktionen wie Automatisierung, KI-Scoring und tiefe Integrationen, weshalb der Migrationspfad von Beginn an mitgeplant werden sollte.
Warum wechseln Großunternehmen wie Bayer Vital ihr CRM-System?
Großunternehmen tauschen CRM-Systeme 2026 primär aus drei Gründen aus: fehlende KI-Fähigkeiten in gewachsenen Systemen, steigende Compliance-Anforderungen besonders im Bereich DSGVO und regulierter Industrien wie Pharma, sowie mangelnde Integrierbarkeit mit modernen ERP- und Marketing-Automation-Plattformen. Der Wechsel bei Bayer Vital, der deutschen Selbstmedikationssparte des Bayer-Konzerns, ist exemplarisch für diese Migrationswelle. Ein solcher Wechsel dauert typischerweise 12 bis 24 Monate und erfordert erhebliche Ressourcen für Datenmigration und Change Management.
Was bedeutet der Kursverlust der Salesforce-Aktie für CRM-Käufer?
Der Kursverlust von 1,5 Prozent der Salesforce-Aktie am 13. Mai 2026 signalisiert wachsenden Investorenzweifel an der Profitabilität von Salesforces KI-Investitionsstrategie. Für CRM-Käufer hat das konkrete Implikationen: Der Margendruck könnte Salesforce zu aggressiveren Preisverhandlungen bewegen, andererseits aber auch zu Investitionskürzungen bei Support und Produktentwicklung führen. Wettbewerber wie Zoho CRM und Freshsales nutzen dieses Moment aktiv, um mit ähnlichem KI-Funktionsumfang zu deutlich niedrigeren Preisen zu positionieren. Unternehmen in laufenden Ausschreibungen sollten Salesforce-Alternativen 2026 konsequenter als bisher in die engere Auswahl nehmen.
Wie verändert KI konkret die Arbeit mit CRM-Systemen?
KI verändert CRM-Systeme 2026 entlang drei operativer Dimensionen: Erstens automatisiert Predictive Lead Scoring die Priorisierung von Vertriebsaktivitäten, indem historische Abschlussmuster auf neue Leads angewendet werden. Zweitens reduziert Natural Language Processing den manuellen Aufwand für E-Mail-Kommunikation durch automatische Klassifizierung und Antwortvorschläge. Drittens erkennen Anomalie-Algorithmen Abwanderungsrisiken in Echtzeit, bevor klassische KPIs Alarm schlagen würden. In früh adoptierten Vertriebsorganisationen berichten Anbieter von einer Reduktion administrativer CRM-Aufgaben um bis zu 40 Prozent, was Sales-Teams mehr Zeit für tatsächliche Kundeninteraktion gibt.
Quellen
- CRM mit KI: Warum automatisierte Vertriebssysteme immer wichtiger werden — t3n, 3.6.2026
- Bayer Vital wechselt auf neues CRM-System — CIO DE, 1.6.2026
- CRM-System kostenlos 2026: Bitrix24 für deutsche KMU — BASIC thinking, 26.5.2026
- Neues CRM-System eingeführt — stadt+werk, 21.5.2026
- Salesforce-Aktie (US79466L3024): Kursverlust von 1,5 Prozent am 13.05.2026 — AD HOC NEWS, 14.5.2026