Ein Open Source CRM klingt verlockend: quelloffen, anpassbar, häufig kostenlos verfügbar. Doch was steckt wirklich dahinter, und welche Lösungen eignen sich für den professionellen Einsatz? Immer mehr Unternehmen, insbesondere im Mittelstand und in technisch versierten Teams, suchen nach CRM-Systemen, die sie vollständig kontrollieren können, ohne an einen einzigen Anbieter gebunden zu sein. Open-Source-Lösungen bieten genau das: Transparenz im Quellcode, maximale Anpassbarkeit und in vielen Fällen erhebliche Kosteneinsparungen gegenüber proprietären Systemen. Gleichzeitig bringen sie eigene Herausforderungen mit sich, etwa beim Hosting, bei der Wartung und bei der Skalierbarkeit. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Open-Source-CRM-Systeme 2026 wirklich überzeugen, worauf Sie bei der Auswahl achten müssen und wann eine kommerzielle Alternative sinnvoller sein kann.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Open Source CRM bietet maximale Anpassbarkeit, aber der Betrieb verursacht reale Kosten für Hosting und Wartung.
- ✓SuiteCRM, Odoo und EspoCRM zählen 2026 zu den ausgereiftesten quelloffenen CRM-Lösungen auf dem Markt.
- ✓Eine ehrliche Total-Cost-of-Ownership-Rechnung zeigt, dass Open Source nicht automatisch günstiger ist als SaaS.
- ✓Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung fahren mit einem kostenlosen Tarif eines kommerziellen Anbieters oft effizienter.
- ✓Die Community-Aktivität eines Open-Source-Projekts ist ein entscheidender Indikator für Sicherheit und Langlebigkeit.
Was ist ein Open Source CRM und warum ist es relevant?
Bevor man in den Markt eintaucht, lohnt sich eine begriffliche Klärung. Ein Open Source CRM ist eine Software zur Kundenverwaltung, deren Quellcode öffentlich zugänglich ist. Jeder darf diesen Code einsehen, verändern und unter bestimmten Lizenzbedingungen weiterverbreiten. Das unterscheidet Open-Source-Lösungen fundamental von geschlossenen, proprietären Systemen wie Salesforce oder Microsoft Dynamics, bei denen der Quellcode ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis bleibt.
Die Relevanz dieses Modells wächst, weil Unternehmen zunehmend Wert auf On-Premise-Betrieb und vollständige Datensouveränität legen. Wer Kundendaten auf eigenen Servern speichert, erfüllt datenschutzrechtliche Anforderungen der DSGVO leichter und vermeidet das Risiko, dass ein SaaS-Anbieter Konditionen ändert oder seinen Dienst einstellt. Gerade in regulierten Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Finanzsektor oder der öffentlichen Verwaltung ist dieser Aspekt entscheidend. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein mittelständisches Pharmaunternehmen, das klinische Kontaktdaten verwaltet, kann schlicht nicht riskieren, dass diese Daten auf Servern eines US-amerikanischen SaaS-Anbieters liegen, der dem Cloud Act unterliegt. Hier ist ein selbst gehostetes Open-Source-CRM keine Kür, sondern eine Pflicht.
Open-Source-CRM-Systeme lassen sich grob in zwei Betriebsmodelle unterteilen. Beim Self-Hosting installieren Sie die Software auf Ihren eigenen Servern oder auf einer gemieteten Cloud-Infrastruktur. Beim Community-Cloud-Modell bietet der Hersteller selbst ein Hosting an, häufig als kostenpflichtige Option neben dem kostenfreien Quellcode. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, und welche die richtige ist, hängt stark von den internen IT-Ressourcen Ihres Unternehmens ab.
Wichtig zu verstehen ist auch die Lizenzdifferenzierung. Die GPL-Lizenz etwa verpflichtet dazu, Anpassungen am Code ebenfalls offenzulegen. Die MIT-Lizenz ist deutlich freizügiger. Die AGPLv3, unter der beispielsweise SuiteCRM steht, greift sogar dann, wenn die Software nur über ein Netzwerk genutzt wird, ohne dass eine Weitergabe im klassischen Sinne stattfindet. Für Unternehmen, die eigene Erweiterungen entwickeln und diese nicht veröffentlichen möchten, ist die Lizenzwahl deshalb kein Randthema. Ein genauer Blick in die Lizenzbedingungen ist vor der Implementierung unbedingt erforderlich, im Zweifel mit juristischer Beratung.
Die besten Open Source CRM Systeme im Überblick
Der Markt für quelloffene CRM-Software hat sich in den letzten Jahren erheblich ausdifferenziert. Einige Projekte sind aus aktiven Entwicklergemeinschaften entstanden, andere werden von Unternehmen finanziert, die auf dem Open-Core-Modell aufbauen, also einen kostenfreien Kern und kostenpflichtige Erweiterungen anbieten. Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten Systeme vor und benennt jeweils konkrete Stärken und Schwächen, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
SuiteCRM
SuiteCRM ist der bekannteste vollständig quelloffene Fork von SugarCRM und gilt in vielen Unternehmensumgebungen als der De-facto-Standard unter den Open-Source-CRM-Lösungen. Das Projekt wird seit 2013 von SalesAgility entwickelt und steht unter der AGPLv3-Lizenz. Funktional bietet SuiteCRM nahezu alles, was man von einem Enterprise-CRM erwartet: Kontakt- und Leadmanagement, Opportunity-Tracking, Angebotserstellung, Kampagnenmanagement und ein umfangreiches Reporting-Modul.
Die Stärke von SuiteCRM liegt in seiner Reife und Anpassbarkeit. Es existiert ein umfangreiches Ökosystem an Plugins und Integrationen, und die Community ist aktiv. In der Praxis setzen Unternehmen aus dem Bereich professioneller Dienstleistungen, also Agenturen, Unternehmensberatungen und IT-Dienstleister, SuiteCRM besonders häufig ein, da sich die Angebotsmodule und das Deal-Tracking gut auf projektbasierte Vertriebsprozesse anpassen lassen. Die Herausforderung besteht in der veralteten Benutzeroberfläche, die im Vergleich zu modernen SaaS-Lösungen weniger intuitiv wirkt. Für technisch versierte Teams, die Wert auf Vollständigkeit legen, bleibt es dennoch eine hervorragende Wahl.
Odoo CRM
Odoo ist kein reines CRM, sondern eine umfassende Business-Suite, die neben CRM auch ERP-Funktionen, Buchhaltung, Lagerverwaltung und E-Commerce abdeckt. Das CRM-Modul ist Teil des Odoo-Kerns und steht kostenlos zur Verfügung, sofern man es selbst hostet. Für Unternehmen, die langfristig mehrere Geschäftsprozesse in einer einzigen Plattform zusammenführen möchten, ist Odoo besonders attraktiv, da die CRM- und ERP-Funktionen nahtlos ineinandergreifen.
Das Odoo-Ökosystem ist enorm: Tausende Module sind verfügbar, und eine große Community entwickelt kontinuierlich neue Erweiterungen. Wer beispielsweise ein Handelsunternehmen betreibt, kann Odoo so konfigurieren, dass vom ersten Kundenkontakt über die Angebotserstellung bis zur Lagerbuchung und Rechnungsstellung alles in einem System abgebildet wird, ohne Daten zwischen verschiedenen Plattformen synchronisieren zu müssen. Der Einstieg ist allerdings nicht trivial. Die initiale Konfiguration erfordert Fachwissen, und wer komplexere Anpassungen vornehmen möchte, wird schnell auf spezialisierte Odoo-Partner angewiesen sein, was die tatsächlichen Gesamtkosten erhöht.
EspoCRM
EspoCRM ist eine weniger bekannte, aber technisch solide Alternative. Die Software ist schlanker als Odoo oder SuiteCRM, setzt auf eine moderne REST-API und lässt sich gut mit externen Systemen integrieren. Besonders für kleine und mittelgroße Unternehmen, die ein schlankes, selbst gehostetes CRM suchen, ist EspoCRM einen näheren Blick wert. Die Oberfläche ist deutlich moderner als die von SuiteCRM und bietet eine vergleichsweise flache Lernkurve. Wer ein Team von 10 bis 50 Vertriebsmitarbeitern ohne komplexe ERP-Integration führt, findet in EspoCRM häufig genau die richtige Balance zwischen Funktionsumfang und Verwaltungsaufwand.
Vtiger CRM
Vtiger bietet eine Open-Source-Community-Edition sowie eine kostenpflichtige Cloud-Variante. Die Community-Edition umfasst grundlegende CRM-Funktionen wie Kontaktmanagement, Deal-Tracking und E-Mail-Integration. Wer auf erweiterte Funktionen wie KI-gestütztes Lead-Scoring oder tiefere Automatisierungen angewiesen ist, wird jedoch schnell in die kostenpflichtigen Pläne gelenkt. Das ist ein klassisches Open-Core-Modell, das Vor- und Nachteile gleichermaßen mitbringt. Der Vorteil liegt darin, dass der Einstieg niedrigschwellig ist und ein späterer Wechsel in die Cloud-Version ohne Datenmigration möglich ist. Der Nachteil besteht darin, dass die Community-Edition im Laufe der Zeit funktional hinter der kommerziellen Variante zurückbleibt und Nutzer so in kostenpflichtige Upgrades gedrängt werden können.
Open Source CRM vs. kommerzielle Alternativen
Die Entscheidung für oder gegen ein Open Source CRM hängt von mehreren Faktoren ab, die sorgfältig abgewogen werden sollten. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass quelloffene Lösungen grundsätzlich günstiger sind. Die Lizenzkosten entfallen zwar, doch Hosting, Wartung, Updates, Sicherheits-Patches und interne Entwicklungsaufwände schlagen zu Buche und können bei einer ehrlichen Total-Cost-of-Ownership-Rechnung die Kosten eines SaaS-Abonnements schnell übersteigen.
Auf der anderen Seite bieten kommerzielle CRM-Systeme oft ein deutlich besseres Out-of-the-Box-Erlebnis. HubSpot CRM etwa ist in seiner Basisversion kostenlos nutzbar und bietet sofort einsatzbereite Vertriebspipelines, E-Mail-Tracking und eine intuitive Benutzeroberfläche, ohne dass eine einzige Zeile Code angefasst werden muss. Für Startups und schnell wachsende Teams ist dieser Faktor nicht zu unterschätzen.
Zoho CRM wiederum überzeugt durch seine enorme Funktionstiefe bei gleichzeitig moderaten Abonnementpreisen. Es bietet KI-gestützte Analysefunktionen, tiefgreifende Automatisierungen und ein breites Ökosystem an integrierten Business-Apps. Wer keine eigene IT-Infrastruktur betreiben möchte, fährt mit solchen Lösungen in der Regel effizienter.
| Kriterium | Open Source CRM | Kommerzielle SaaS-CRM |
|---|---|---|
| Lizenzkosten | Kostenlos | Monatliche Gebühren |
| Hostingaufwand | Selbst verantwortlich | Vom Anbieter übernommen |
| Anpassbarkeit | Sehr hoch | Begrenzt auf API/Plugins |
| Datensouveränität | Vollständig | Abhängig vom Anbieter |
| Implementierungsaufwand | Hoch | Gering bis mittel |
| Support | Community / Eigenleistung | Professioneller Hersteller-Support |
| Updates | Manuell einzuspielen | Automatisch |
Die Tabelle verdeutlicht, dass es kein universell überlegenes Modell gibt. Entscheidend ist, welche Kriterien in Ihrem konkreten Unternehmenskontext den größten Einfluss haben. Für Unternehmen mit eigener IT-Abteilung und dem Wunsch nach maximaler Kontrolle ist ein Open Source CRM eine ernsthafte Option. Für alle anderen, insbesondere für kleine Betriebe ohne dedizierte Entwicklerressourcen, ist der pragmatischere Weg oft ein kostenfreier oder günstiger SaaS-Tarif bei einem etablierten Anbieter. Die besten kostenlosen CRM-Systeme auf dem Markt bieten heute eine Funktionstiefe, die vor einigen Jahren noch Enterprise-Kunden vorbehalten war.
Worauf Sie bei der Auswahl eines Open Source CRM achten sollten

Die Wahl des richtigen Open-Source-CRM-Systems ist keine reine Funktionsfrage. Es geht ebenso um die strategische Passung, die technische Infrastruktur Ihres Unternehmens und die langfristige Wartbarkeit der gewählten Lösung. Die folgenden Kriterien helfen Ihnen, die Entscheidung strukturiert anzugehen.
Community-Aktivität und Entwicklungsgeschwindigkeit
Ein quelloffenes Projekt lebt von seiner Community. Bevor Sie sich für ein System entscheiden, sollten Sie prüfen, wie aktiv das Projekt auf GitHub oder ähnlichen Plattformen ist. Wie häufig werden Commits durchgeführt? Wie schnell werden gemeldete Sicherheitslücken geschlossen? Wie viele externe Entwickler tragen aktiv zum Projekt bei? Ein Projekt mit wenigen aktiven Entwicklern und seltenen Releases birgt ein erhebliches Sicherheitsrisiko, das in der Praxis oft unterschätzt wird. Ein konkreter Hinweis: Schauen Sie sich nicht nur die Anzahl der Sterne auf GitHub an, sondern vor allem den Zeitraum des letzten Commits und die Reaktionszeit auf offene Issues. Diese Indikatoren sagen weit mehr über die Projektvitalität aus als bloße Beliebtheitszahlen.
Datenbankkompatibilität und Systemanforderungen
Die meisten Open-Source-CRM-Systeme laufen auf LAMP-Stacks, also Linux, Apache, MySQL und PHP. Wenn Ihre bestehende Infrastruktur auf anderen Technologien basiert, entstehen zusätzliche Kompatibilitäts- und Wartungsaufwände. Prüfen Sie außerdem, ob das System Docker-basiertes Deployment unterstützt, da dies die Verwaltung und Aktualisierung erheblich vereinfacht. Odoo beispielsweise bietet offizielle Docker-Images, was das Ausrollen auf verschiedenen Umgebungen deutlich vereinfacht und reproduzierbar macht. Systeme ohne offizielle Container-Unterstützung erfordern oft mehr manuellen Konfigurationsaufwand bei der Erstinstallation und bei späteren Versionsupdates.
Integrationsfähigkeit mit bestehenden Tools
Ein CRM, das isoliert betrieben wird, entfaltet selten sein volles Potenzial. Schauen Sie genau hin, ob das System REST-APIs oder Webhooks anbietet und wie gut es sich in Ihre bestehende Tool-Landschaft integrieren lässt, etwa in E-Mail-Systeme, Marketing-Automation-Plattformen oder ERP-Lösungen. Gute Open-Source-Systeme bieten hier oft erstaunlich viel Flexibilität, erfordern aber auch mehr technisches Know-how bei der Umsetzung als vorkonfigurierte SaaS-Integrationen. Moderne CRM-Tools im kommerziellen Segment setzen hier oft Maßstäbe durch native Konnektoren und Marktplätze. Wer beispielsweise SuiteCRM an ein bestehendes Mailchimp-Konto anbinden möchte, kann das über die API realisieren, muss aber bereit sein, dafür eigene Entwicklungszeit zu investieren oder einen spezialisierten Dienstleister zu beauftragen.
Skalierbarkeit und Performanz
Was für 20 Nutzer und 5.000 Kontakte problemlos funktioniert, kann bei 200 Nutzern und 500.000 Kontakten an seine Grenzen stoßen. Informieren Sie sich frühzeitig über die Skalierungsgrenzen der gewählten Lösung und prüfen Sie, ob es dokumentierte Praxisbeispiele aus Unternehmen ähnlicher Größe gibt. Performanzprobleme in wachsenden Datenbanken sind einer der häufigsten Kritikpunkte an selbst gehosteten Open-Source-CRM-Systemen. Achten Sie außerdem darauf, ob das System horizontal skalierbar ist, also ob mehrere Server-Instanzen parallel betrieben werden können, um Last zu verteilen. Für Systeme mit ambitionierten Wachstumsplänen ist diese Frage von Beginn an zu klären, nicht erst wenn Performanzprobleme bereits spürbar sind.
Gesamtbetriebskosten realistisch kalkulieren
Wie bereits angesprochen, täuscht der Begriff kostenlos leicht über die tatsächlichen Aufwände hinweg. Zu einer ehrlichen Kalkulation gehören Serverkosten, Backup-Infrastruktur, SSL-Zertifikate, Monitoring, der Zeitaufwand für Updates und Sicherheits-Patches sowie gegebenenfalls externe Entwicklerkosten für individuelle Anpassungen. Als grobe Orientierung: Ein mittelständisches Unternehmen, das SuiteCRM auf einer dedizierten Server-Instanz betreibt und gelegentlich einen externen Entwickler für Anpassungen benötigt, sollte mit jährlichen Betriebskosten zwischen 3.000 und 10.000 Euro rechnen, je nach Umfang der Anpassungen. Wer diese Posten zusammenrechnet, stellt oft fest, dass ein gut gewähltes kommerzielles System mit professionellem Support kaum teurer ist, dafür aber erheblich weniger interne Ressourcen bindet.
Migration und Einführung eines Open Source CRM in der Praxis
Ein Aspekt, der in vielen Vergleichsartikeln zu kurz kommt, ist die konkrete Einführung eines Open-Source-CRM-Systems im laufenden Betrieb. Wer von einem bestehenden System wechselt, steht vor der Herausforderung der Datenmigration. Kundenkontakte, historische Interaktionen, offene Deals und verknüpfte Dokumente müssen sauber und vollständig übertragen werden. Die meisten etablierten Open-Source-Systeme bieten Import-Funktionen für gängige Formate wie CSV oder vCard, aber komplexe Datenstrukturen erfordern oft maßgeschneiderte Migrationsskripte.
Ebenso wichtig ist das Change Management bei der Einführung. Selbst das technisch beste CRM-System scheitert, wenn das Vertriebsteam es nicht akzeptiert und nicht konsequent nutzt. Bei Open-Source-Systemen, die häufig eine weniger polierte Benutzeroberfläche aufweisen als ihre kommerziellen Pendants, ist dieser Aspekt besonders kritisch. Schulungen, klar kommunizierte Vorteile für den einzelnen Nutzer und eine enge Begleitung in der Einführungsphase sind deshalb keine optionalen Extras, sondern entscheidende Erfolgsfaktoren. Unternehmen, die diese Phase unterschätzen, erleben häufig, dass das neue System nach wenigen Monaten wieder zugunsten von Excel-Tabellen oder alten Gewohnheiten aufgegeben wird, unabhängig davon, wie leistungsfähig die Software technisch ist.
Ein praxisbewährter Ansatz ist die schrittweise Einführung: Zunächst wird das System mit einem Pilotteam aus motivierten Early Adopters eingeführt, die Erfahrungen gesammelt und Konfigurationsanpassungen vorgenommen werden, bevor das System auf die gesamte Organisation ausgerollt wird. Dieser Ansatz reduziert das Risiko eines groß angelegten Fehlstarts und ermöglicht es, das System an den realen Arbeitsabläufen der Nutzer auszurichten.
Wann ein kommerzielles CRM die bessere Wahl ist
Es wäre unehrlich, Open-Source-CRM-Systeme pauschal als die beste Lösung zu bezeichnen. Für viele Unternehmen, insbesondere für solche ohne dedizierte IT-Abteilung, ist ein kommerzielles CRM die pragmatischere und letztlich auch wirtschaftlichere Entscheidung. Die Frage ist nicht, welches Modell grundsätzlich besser ist, sondern welches zur spezifischen Situation des Unternehmens passt.
Wenn Ihr Vertriebsteam sofort produktiv sein soll, ohne monatelange Implementierungsprojekte zu durchlaufen, spricht viel für eine kommerzielle Lösung. Tools wie Pipedrive sind darauf ausgelegt, innerhalb weniger Stunden produktiv eingesetzt zu werden, und bieten eine klare Pipeline-Ansicht, die Vertriebsteams intuitiv verwalten können. Gerade für den B2B-Vertrieb sind solche vorgefertigten Workflows ein echter Wettbewerbsvorteil.
Auch wenn Mobilität eine Rolle spielt, punkten kommerzielle Lösungen mit ausgereiften nativen Apps für alle gängigen Betriebssysteme. Open-Source-Systeme bieten häufig mobile Weboberflächen, die funktional aber selten mit nativen Apps mithalten können. Wer sein Vertriebsteam mit modernen mobilen Werkzeugen ausstatten möchte, stößt bei rein selbst gehosteten Lösungen schnell an Grenzen.
Letztlich kommt es auf eine nüchterne Selbsteinschätzung an. Verfügen Sie über die technischen Ressourcen, eine Open-Source-Lösung langfristig zu betreiben und weiterzuentwickeln? Wenn ja, eröffnet sich ein enormes Potenzial an Flexibilität und Kostenkontrolle. Wenn nicht, ist ein bewährtes kommerzielles System kein Kompromiss, sondern die richtige strategische Entscheidung.
Fazit
Ein Open Source CRM ist eine ernsthafte Option für Unternehmen, die Wert auf Datensouveränität, maximale Anpassbarkeit und langfristige Unabhängigkeit von Anbietern legen und über die technischen Ressourcen verfügen, diese Systeme professionell zu betreiben. SuiteCRM, Odoo und EspoCRM stehen dabei 2026 ganz oben auf der Liste empfehlenswerter Lösungen. Wer hingegen schnell startklar sein möchte und keine eigene IT-Infrastruktur betreiben will, findet in kommerziellen Systemen wie HubSpot, Zoho CRM oder Pipedrive ausgereifte Alternativen, die häufig ebenfalls kostenfreie Einstiegstarife bieten. Die wichtigste Entscheidungsgrundlage ist immer die ehrliche Analyse der eigenen Ressourcen und Anforderungen, nicht ein pauschales Urteil über Lizenzmodelle. Wer verschiedene Optionen strukturiert vergleichen möchte, findet bei Softwaresucher eine neutrale Übersicht mit geprüften Nutzerbewertungen und detaillierten Funktionsvergleichen.
Häufige Fragen
Ist ein Open Source CRM wirklich kostenlos?
Der Quellcode eines Open Source CRM ist in der Regel kostenlos erhältlich, aber der Betrieb ist es selten. Zu den tatsächlichen Kosten zählen Servermiete, Backup-Infrastruktur, Sicherheitsupdates, Monitoring und häufig externe Entwicklerkosten für individuelle Anpassungen. Wer diese Posten ehrlich kalkuliert, stellt fest, dass ein selbst gehostetes Open-Source-System oft ähnlich viel kostet wie ein günstiges kommerzielles SaaS-Abonnement, dafür aber mehr Flexibilität und Datenkontrolle bietet.
Welches Open Source CRM eignet sich für kleine Unternehmen?
Für kleine Unternehmen mit begrenzten IT-Ressourcen ist EspoCRM eine gute Wahl, da es vergleichsweise einfach zu installieren und zu warten ist. Vtiger in der Community-Edition eignet sich ebenfalls, wenn grundlegende CRM-Funktionen ausreichen. Wer hingegen keine eigene Serverinfrastruktur betreiben möchte, ist mit einem kostenlosen Tarif eines kommerziellen Anbieters häufig besser bedient, da dort Updates und Sicherheitsfragen vom Hersteller übernommen werden.
Wie sicher sind Open Source CRM Systeme?
Die Sicherheit eines Open-Source-CRM hängt stark von der Aktivität der Entwickler-Community und der Sorgfalt beim Betrieb ab. Weit verbreitete Systeme wie SuiteCRM oder Odoo werden regelmäßig auf Sicherheitslücken überprüft, und Patches erscheinen meist zeitnah. Das eigentliche Risiko liegt jedoch auf der Betreiberseite: Wer Updates nicht zeitnah einspielt oder das Hosting nachlässig betreibt, setzt sich erheblichen Sicherheitsrisiken aus, die bei einem professionellen SaaS-Anbieter ausgeschlossen wären.
Kann ich ein Open Source CRM mit anderen Tools integrieren?
Ja, die meisten etablierten Open-Source-CRM-Systeme bieten REST-APIs und Webhooks, die eine Integration mit externen Tools ermöglichen. Odoo verfügt über ein umfangreiches Modul-Ökosystem, SuiteCRM bietet eine offene API und EspoCRM ist ebenfalls auf Integrationen ausgelegt. Allerdings erfordert die Umsetzung dieser Integrationen in der Regel technisches Know-how oder externe Entwicklungskapazitäten, während kommerzielle Systeme vorgefertigte Konnektoren für gängige Tools wie Slack, Google Workspace oder Mailchimp anbieten.